September 2007


Martin Kallen ist ein viel beschäftigter Mann und ein gemütlicher Zeitgenosse. Der 44-jährige Schweizer ist der so genannte „Mister EURO“. Bei ihm laufen zum Thema Fußball-Europameisterschaft 2008 so ziemlich alle Fäden zusammen. Trotzdem kann er entspannen, wie er mir beim „Tag des Sports“ glaubhaft versicherte. Und dann sagt er so sympathische Dinge wie

„Wir sind sehr stark kommerzialisiert. Wichtig ist, dass uns allen bewusst ist, dass es um ein Spiel, einen Sport geht.“
„Wir wollen ein Fest, keine Festung. Wir wollen Freundlichkeit und keine Aggression zeigen.“
„Die Aktion ‘Österreich zeigt Rückgrat‘ ist Idiotie.“
„Ob die großen Nationen bei der EURO dabei sind, spielt wirtschaftlich keine Rolle, der Sport soll Vorrang haben.“
„Wenn die Möglichkeit besteht, die Fanmeile im Zentrum zu haben, ist das besser“ (als etwa auf der Donauinsel, Anm.).

Was den letzten Punkt angeht: Auf dem Weg vom Heldenplatz zur Redaktion habe ich in einer sehr österreichischen Tageszeitung von erneuten Streitigkeiten rund um die Platzierung der Fanmeile in Wien (Heldenplatz – Ring – Rathausplatz) gelesen. Das nervt höllisch.

Das komplette Interview mit Herrn Kallen gibt es übrigens hier zu lesen: sportnet.at.

Und ein bisschen ehrfürchtig habe ich diesen wirklich schönen EM-Pokal betrachtet:

EM-Pokal
Foto: Chris Singer

Irgendwie ist Wien ein Kaff. Woher diese Erkenntnis? Es gibt nur einen vernünftigen Club in der Stadt. Das Flex. Zu dieser Erkenntnis kam ich heute Nachmittag. Nach dem Termin mit Martin Kallen im Rahmen des Tag des Sports am Wiener Heldenplatz (mehr dazu später) gönnte ich mir neben einigen Sonnenstrahlen eine Melange samt Vöslauer prickelnd im Volksgarten Pavillon, las einige unwichtige Zeitungen. Mein Blick fiel dann auf die Volksgarten Diskothek. Angeblich eine der besten Locations der Stadt. Nicht mein Fall. Einige hundert Meter weiter – die Passage. Na sehr super, da macht mein Radiowecker lauter Musik.

Tags zuvor: ich lese erfreut auf technoboard.at, dass das Renaissance-Label ab Jänner 2008 Station in Wien macht. Und zwar regelmäßig. Residency nennt man das dann im Club-englisch. Als Location dient die Ottakringer Brauerei, in den Sommermonaten wird am so genannten Love Boat gefeiert. Die Brauerei ist natürlich eine lässige Location. Industrie-Feeling und so weiter. So richtig wohl fühlen kann ich mich dort aber nach wie vor nicht.

Herr D., in manchen Kreisen als „der Designer“ bekannt, von mir bezüglich der Renaissance-Residency per E-Mail in Kenntnis gesetzt, antwortet lapidar: „Was wir brauchen, ist ein neuer Club. Mit fettem Sound. Eine Konkurrenz zum Flex.“

Stimmt. Denn das Flex, so lässig es ist, stößt an seine Grenzen. Rückblende ins Frühjahr 2007, einer von vielen Abenden am Donaukanal, das Flex ist bummvoll, gefühlsmäßig fast zu voll. Nachfrage an der Tür: „Wie viel Leute habt Ihr drinnen?“ – „Keine Ahnung.“ Aha. Auch gut. Den Gedanken, was passieren kann, wenn was passiert, verdrängt man und versucht weiter, seinen Spaß zu haben. Aber irgendwie geht´s nicht so recht. Der Fairness halber sei gesagt, dass der Interview-Partner jener Mann mit dem Stempel war. Ich gehe davon aus, dass die Türsteher die Lage unter Kontrolle hatten.

Trotzdem meine Meinung – und ganz exklusiv habe ich die ja nicht: Ein zweites Flex muss her. Damit man am Abend die Qual der Wahl hat und sich auf der Tanzfläche nicht permanent auf die Zehen steigt. Muss doch möglich sein.

Apropos eingangs erwähntes Kaff: Sonntags spielen sie im Chelsea (meistens) großartige Musik. Leider ist man an diesem Abend oft allein in den großzügig angelegten Bögen. Somit verstehe ich auch wieder jeden, der in Wien die Finger vom Party machen/veranstalten lässt. Kann mir irgendjemand helfen?

Nachtrag:

party in schweden, übrigens: http://surfermaus.twoday.net/stories/4306485/

in einem (vermutlich aufgelösten) schlachthaus. und viel red-bull-werbung. hat auch was für sich…

Ein bisschen gelacht habe ich schon. Und das liegt nicht an irgendeiner Art schrägen Humors. Denn einige KollegInnen aus der Redaktion fandens auch lustig. Puls TV heißt jetzt bald Puls 4. Das ist noch nicht lustig. Lustig war jener medianet-Artikel, in dem der schönste Sport der Welt in einem Atemzug mit anderen Genres bzw. Programminhalten genannt wird, die mit Sport ja eigentlich gar nichts zu tun haben.

Zitat medianet: „Man wolle sicher keinen „Frauensender“ machen, aber Fußball, Gewaltdarstellungen und Kriegsfilme etwa soll es nicht geben [...]„.

Also bitte…

Na bitte, schon habe ich ein Thema für den ersten Eintrag. Heute, Samstag, ist Tag des Sports in Wien, genauer am Heldenplatz.  Dass das Programm ein dichtes ist, beweist ein Blick auf den fast schon verwirrenden Lageplan. Was ich jetzt dort mache? Zum einen mal schauen, was es dort zu sehen gibt und was man dort machen kann – zum anderen arbeiten. Martin Kallen, Geschäftsführer der EURO 2008 SA, jener Tochtergesellschaft der UEFA, die die EURO 2008 veranstaltet, stellt sich meinen knallharten Fragen.

Der nächste Blog, der der Welt gerade noch gefehlt hat. Aber nachdem nun ja mein Chef und auch der Herr Vorstand online sind, darf ich da nicht fehlen. Ich hoffe (für mich selbst, der Welt wird´s wohl egal sein), ich habe diesmal mehr Durchhaltevermögen als bei meinem letzten Blog. Vielleicht habe ich ja mittlerweile einfach mehr zu erzählen. Man wird sehen.