April 2009


Der Beste soll gewinnen, sagt man. Nur leider gilt das für die heurige Champions League nicht. Denn mit dem FC Liverpool verabschiedete sich am Dienstag die wohl stärkste Mannschaft der laufenden Saison aus dem Bewerb.

Barcelona und Lionel Messi in allen Ehren – aber der Gegner der Katalanen im Viertelfinale hieß letztlich doch nur Bayern München. Und wo dieser Verein mittlerweile international steht, wurde beim 0:4 in Camp Nou mehr als deutlich.

Liverpool in der Champions League – das ist Leidenschaft pur, aber mit der nötigen Ruhe zum richtigen Zeitpunkt. Das Auswärtsspiel bei Real Madrid im Achtelfinale war ein Lehrbeispiel, wie man einen Gegner seiner Stärken beraubt, um dann selbst zuzuschlagen. Was eine Woche darauf folgte, war das wohl beste Spiel dieser Saison. Es fällt schwer, sich daran zu erinnern, ob Real Madrid schon einmal derartig vorgeführt wurde wie beim 4:0 an der Anfield Road.

Was Liverpool neben dem magischen Dreieck Gerrard-Alonso-Torres noch auszeichnet, sind Moral und Selbstvertrauen. Bayern hatte sich nach dem 0:4 bei Barcelona aufgegeben, in der Öffentlichkeit nur mehr von der Meisterschaft als einzig verbliebenem Saisonziel gesprochen.

Liverpool fuhr nach der 1:3-Heimniederlage gegen Chelsea mit breiter Brust nach London. Das Motto: wenn die uns drei Tore in unserem Stadion machen, können wir das bei denen auch. Eigentlich logisch, denn nach unzähligen Unentschieden in der Premier League (zehn an der Zahl in der laufenden Saison) haben sich die Reds in den letzten Wochen zu einer wahren Tormaschine gemausert.

„Logically, we should have more time to rest now but sometimes you prefer to keep playing games. It can help you to keep playing. We are not happy because we are out of the Champions League.“ – Xabi Alonso

4:0 gegen Real Madrid, 4:1 gegen Manchester United, 5:0 gegen Aston Villa, 4:0 gegen Blackburn. Und jetzt vier Tore beim FC Chelsea. Auch, wenn Xabi Alonso am heutigen Donnerstag zugibt, aus dem fesselnden 4:4 wenig Positives für das Titelrennen zu finden, war der Auftritt der Reds bei den Blues (ohne Gerrard!) schon aller Ehren wert, das viel zitierte „Wunder“ zum Greifen nahe.

Nach 2:0-Führung einen 2:3-Rückstand hinnehmen zu müssen und sich wieder zurück ins Spiel zu kämpfen, zeigt schon die besondere Willensstärke, die die aktuelle Liverpool-Mannschaft auszeichnet. Zudem zeigt diese Saison: Liverpool scheint mittlerweile erwachsen geworden zu sein. Wenn Gerrard fehlt, ist dies zwar natürlich ein Dämpfer, da der Engländer als Freigeist hinter bzw. neben Fernando Torres unersetzbar ist.

Doch schon in Madrid kam der bald 29-Jährige, weil angeschlagen, erst in den letzten Minuten aufs Feld. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon andere – wie Alonso und Torschütze Yossi Benayoun – für die Entscheidung gesorgt.

Einen Tag vor dem 20. Jahrestag der Katastrophe von Hillsborough, an dem es an der Anfield Road eine berührende Trauerfeier vor 30.000 Menschen gab, bescherten uns Chelsea und Liverpool einen packenden Fußballabend. Geht es nach der CL-Historie, werden es auch die Blues sein, die am 27. Mai den Pokal in den Römer Nachthimmel heben.

Denn seit 2003 gilt: wer jene Mannschaft aus dem Bewerb wirft, die zuvor Real Madrid eliminierte, gewinnt im gleichen Jahr die Champions League.

Die Geschichte wiederholt sich. Manchester Uniteds Coach Alex Ferguson meint, dass sich Cristiano Ronaldos veränderter Lebensstil auf seine Performance auf dem Fußballplatz auswirkt.

„I think that he’s had temptations and I think there have been periods when you’ve seen the effect [on the pitch]. He’s lucky in the sense that people here can tell him the truth and be straight with him and he appreciates that, and he has responded to that.“

Worte, die in einem heute ausgestrahlen CNN-Interview zu hören sind und an David Beckham erinnern. Über den ehemaligen United-Spieler sagte Ferguson ähnliches.

Becks, der seit Juli 1999 mit Ex-Spice-Girl Victoria verheiratet ist, wurde von Fergie damals wiederholt vorgeworfen, er würde sich mehr um seinen Celebrity-Lifestyle als ums Fußballspielen kümmern.

Trotz hart kritisiertem Lebenswandel schaffte es Beckham im Jahr 2003 immerhin zu Real Madrid. Es gibt wohl Schlimmeres.

Cristiano Ronaldo was affected by celebrity lifestyle, admits Manchester United manager Sir Alex Ferguson | Football | guardian.co.uk.

Hohe Fußballkunst in der Champions League. Worauf man am Dienstag vergeblich wartete, gabs am Mittwoch gleich in doppelter Ausfertigung.

Die Demontage des FC Bayern in Barcelona zeigte einmal mehr, wie weit der größte und einflussreichste Klub Deutschlands der internationalen Konkurrenz hinterher hinkt.

Vor nur wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass die Münchner auf höchster, europäischer Ebene dermaßen vorgeführt werden. Dass Karl-Heinz Rummenigges Brandrede eine ähnliche Wirkung wie jene von Franz Beckenbauer anno 2001 hat – die Bayern wurden damals CL-Sieger – darf gründlich bezweifelt werden.

Noch unterhaltsamer als das 4:0 von Barcelona war das 1:3 von Anfield. Dort gab es nämlich zwei Mannschaften, die munter drauflos spielten – für den neutralen Beobachter sensationell, für Fans der Klubs ein Wechselbad der Gefühle.

Ein idealer Start für den FC Liverpool mündete in die kaum für möglich gehaltene Katastrophe. Nach dem frühen, sehenswerten 1:0 durch Fernando Torres siegte Chelsea am Ende sage und schreibe 3:1.

Es war schon interessant zu beobachten, dass ausgerechnet jene Klubs, die defensiv in dieser Saison bisher nichts anbrennen ließen, nun plötzlich genau dort arge Probleme haben. Schlag nach bei Manchester United, deren Verteidigung seit Wochen einem aufgescheuchten Hühnerhaufen gleicht. Und schlag nach bei Liverpool, wo die Defensive am Mittwoch bei keinem der drei Treffer gut aussah.

Branislav Ivanovic wird sich heute noch wundern, wie einfach er zwei Mal nach Eckbällen zum Kopfball kam. Vom 1:2-Rückstand sichtlich geschockt, kassiert Liverpool dann auch noch das dritte Gegentor. Ein schnurgerader Pass von Michael Ballack auf Florent Malouda, dessen scharfen Stanglpass Didier Drogba nur mehr über die Linie drücken muss – schnörkelloser kann man eine Abwehr nicht aufreißen.

Es waren aber nicht nur Abwehrfehler allein, die die Niederlage von Liverpool einläuteten. Chelsea tat das konsequent, was Manchester einige Wochen zuvor bei der 1:4-Heimniederlage gegen die Reds verabsäumte – nämlich Steven Gerrard komplett aus dem Spiel nehmen.

Der Liverpool-Kapitän war bei Michael Essien gut aufgehoben, plagte sich zudem mit Leistenbeschwerden und anderen Wehwehchen herum – und hätte eigentlich, um nichts zu riskieren, vorzeitig vom Platz gehen müssen.

Nun steckt Rafael Benitez in der Zwickmühle. Lässt er Gerrard am Samstag gegen Blackburn draußen, um ihn für das Rückspiel gegen Chelsea am Dienstag zu schonen?

Oder setzt der Spanier alles auf die Karte „Meisterschaft“, bringt Gerrard am Samstag in der Liga – und riskiert damit möglicherweise einen längeren Ausfalls seines Kapitäns?

Beide Varianten werden derzeit von englischen Medien ins Spiel gebracht. Spätestens Samstagmittag wissen wir mehr.

Interessantes Detail am Rande:

Seit 2003 holte jede Mannschaft, die jenes Team aus dem Bewerb warf, das zuvor Real Madrid eliminierte, am Ende den Pokal in der Champions League. Letztes Jahr war es Manchester United. Die Red Devils hatten im Viertelfinale AS Roma ausgeschaltet, die zuvor die Königlichen rausgekickt hatten.

Vor wenigen Wochen schaltete Chelseas Gegner aus Liverpool Casillas, Raul & Co aus. Kein Wunder, dass man bei den Blues schon ein bisschen vom Treble träumt – denn auch in der Meisterschaft und im FA-Cup ist Chelsea ganz vorne dabei.

Champions League
Manchester United – FC Porto 2:2 (1:1)

Dieser Rückpass!

Passiert sowas in der österreichischen Bundesliga, sagt man: eh klar. Als Bruno Alves nach ungefähr 15 gespielten Minuten in Old Trafford den Ball ideal für Wayne Rooney auflegt, erweckt der FC Porto einen Toten wieder zum Leben. Zu diesem Zeitpunkt liegt Manchester United nämlich längst 0:1 im Rückstand.

Was die Reds bis vor wenigen Wochen so auszeichnete – die bärenstarke Verteidigung – funktioniert nämlich mittlerweile gar nicht mehr. Gegen Aston Villa mussten die Offensivspieler Cristiano Ronaldo und Federico Macheda den Karren aus dem Dreck ziehen, nachdem man schon 1:2 in Rückstand geraten war.

Auslöser der Chaoswochen in Manchester war ausgerechnet der FC Liverpool, der United in der Liga gefährlich nahe im Nacken sitzt. Die 4:1-Demontage schien der Knackpunkt der Saison zu sein. Ein schwächelnder Nemanja Vidic, der in den letzten zwölf Monaten wiederholt als weltbester Innenverteidiger geadelt wurde, war Kanonenfutter für Fernando Torres.

Beim hart erkämpften 3:2 gegen Aston Villa wurde das Experiment, John Carew von Gary Neville decken zu lassen, schnell wieder verworfen. Das funktionierte – irgendwie logisch – gerade bei hohen Bällen einfach überhaupt nicht.

„Expect United to march on“, sagte Times-Journalist Oliver Kay vor dem Spiel gegen den FC Porto. Die wenigsten werden ihm widersprochen haben. Denn die Geschichte lehrt ja, dass Manchester United gerne nach dem Motto „wehe, wenn sie losgelassen“ agiert.

Am Dienstag war davon in der von Konrad Plautz geleiteten Partie aber nichts zu sehen. Eine Fehlpass-Orgie von United, wie man sie wohl noch nie in der Ära von Alex Ferguson gesehen hat. Und auch Porto ließ sich bald anstecken. Mit Champions League hatte das wenig zu tun.

Möglich auch, dass Ferguson seine eigene Terminplanung auf den Kopf fällt. Denn er wählte für das Spiel gegen Aston Villa den spätestsmöglichen Termin (Sonntag, 16 Uhr), damit sich seine Spieler von den Strapazen der Länderspiele der letzten Woche erholen konnten. So gab es nach dem Meisterschaftsspiel am Sonntag nur einen einzigen, ganzen Tag zur Regeneration für Fergie´s Schützlinge.

Am Dienstag trennen sich Manchester United und der FC Porto 2:2. Weil United nach dem Führungstreffer in der 86. Minute (Tevez) wieder zu langsam reagiert, in der Verteidigung wieder nicht aufpasst und Gonzalez so einen ganz wichtigen Treffer ermöglicht.

Zu hoch gepokert, Mister Ferguson?

Nachtrag zum „ganz normalen Bundesliga-Wahnsinn“. Auf Sturm12.at, einer formidablen Online-Plattform von Fans des SK Sturm Graz, erklärt Oliver Parfi, „führendes Mitglied der Brigata Graz“, die Beweggründe der viel zitierten Busblockade in Mattersburg.

Im Vergleich zum SV Mattersburg sind schlechte Leistungen bei Sturm „eben nicht jedem egal“, sagt Parfi.

Hier geht´s zum kompletten Interview

Gestern fand auch das angekündigte Gespräch zwischen Vereins- und Fanklubvertretern statt. Der SK Sturm informierte um 23:03 Uhr auf seiner Website:

„Heute fand das nach den Vorfällen in Mattersburg ins Leben gerufene Gespräch zwischen dem SK Puntigamer Sturm Graz und Fanclub-Vertretern statt.

Für Sturm waren Präsident Hans Rinner, Finanzvorstand Christian Jauk, Oliver Kreuzer, Franco Foda, Mario Haas, Mario Kienzl und Christian Gratzei anwesend.

Es war ein sehr konstruktives Gespräch aller Beteiligten, bei dem es regen Informationsaustausch gab und die verschiedenen Standpunkte dargelegt werden konnten.

Die Fanclubs sind zuversichtlich, die ihnen zur Verfügung stehenden 1.500 Karten für das Rapid-Spiel vollständig zu verkaufen, da es in der derzeitigen Situation mehr denn je notwendig ist, die Mannschaft zu unterstützen. Der Funke soll wieder überspringen.“

Nach einem viel zu langen Winter beschert uns der Wettergott also wieder Traumtemperaturen. Und nach einer ewig langen Blogpause habe ich mal nachgesehen, ob es diese Seite eigentlich noch gibt. Es gibt sie tatsächlich und sogar meine Login-Daten habe ich mir gemerkt.

Themenwechsel: In der österreichischen Bundesliga wurde heute an vier Schauplätzen gekickt. Und das mitunter ganz ordentlich. Salzburg paniert die Austria, der LASK kämpft sich nach 0:2-Rückstand gegen Kapfenberg zurück, Ried und Altach trennen sich 1:1 und Mattersburg gegen Sturm endet 0:0. Highlight im Burgenland: Schiri Bernhard Brugger musste verletzt vom Platz. Der vierte Mann Michael Schmid sprang spontan ein.

Hat die Frühlingssonne dafür gesorgt, dass unter den Fans der Bundesligisten so mancher Hitzkopf dabei war? In Mattersburg stellten erzürnte Sturm-Fans Mannschaft, Trainer und Präsident zur Rede. In Salzburg machten sich Austria-Anhänger am Zaun zu schaffen und legten sich mit dem Salzburger Publikum im Nebensektor an.

Und hinter den Kulissen geht es in der Mozartstadt besonders freundschaftlich zu. Trainer und Sportdirektor sind ein Herz und eine Seele. Letzterer verließ nach dem Spiel während der laufenden Pressekonferenz den Raum. Red Bull sucht einen neuen Coach, obwohl Adriaanse drauf und dran ist, den Klub zum Titel zu führen.

Huub Stevens könnte wieder mehr Publicity – z. B. in Deutschland – bringen. So, wie es zu Zeiten von Defensivapostel Giovanni Trapattoni der Fall war.

Rapid vermeldet vor dem restlos ausverkauften Sonntagsspiel gegen Austria Kärnten neue Rekordumsätze im Merchandising-Bereich. An den berühmt-berüchtigten „Altlasten“, die den Verein plagen, wird dies kurzfristig aber so schnell nichts ändern.

Die Bundesliga – der ganz normale Wahnsinn.