Der Beste soll gewinnen, sagt man. Nur leider gilt das für die heurige Champions League nicht. Denn mit dem FC Liverpool verabschiedete sich am Dienstag die wohl stärkste Mannschaft der laufenden Saison aus dem Bewerb.
Barcelona und Lionel Messi in allen Ehren – aber der Gegner der Katalanen im Viertelfinale hieß letztlich doch nur Bayern München. Und wo dieser Verein mittlerweile international steht, wurde beim 0:4 in Camp Nou mehr als deutlich.
Liverpool in der Champions League – das ist Leidenschaft pur, aber mit der nötigen Ruhe zum richtigen Zeitpunkt. Das Auswärtsspiel bei Real Madrid im Achtelfinale war ein Lehrbeispiel, wie man einen Gegner seiner Stärken beraubt, um dann selbst zuzuschlagen. Was eine Woche darauf folgte, war das wohl beste Spiel dieser Saison. Es fällt schwer, sich daran zu erinnern, ob Real Madrid schon einmal derartig vorgeführt wurde wie beim 4:0 an der Anfield Road.
Was Liverpool neben dem magischen Dreieck Gerrard-Alonso-Torres noch auszeichnet, sind Moral und Selbstvertrauen. Bayern hatte sich nach dem 0:4 bei Barcelona aufgegeben, in der Öffentlichkeit nur mehr von der Meisterschaft als einzig verbliebenem Saisonziel gesprochen.
Liverpool fuhr nach der 1:3-Heimniederlage gegen Chelsea mit breiter Brust nach London. Das Motto: wenn die uns drei Tore in unserem Stadion machen, können wir das bei denen auch. Eigentlich logisch, denn nach unzähligen Unentschieden in der Premier League (zehn an der Zahl in der laufenden Saison) haben sich die Reds in den letzten Wochen zu einer wahren Tormaschine gemausert.
„Logically, we should have more time to rest now but sometimes you prefer to keep playing games. It can help you to keep playing. We are not happy because we are out of the Champions League.“ – Xabi Alonso
4:0 gegen Real Madrid, 4:1 gegen Manchester United, 5:0 gegen Aston Villa, 4:0 gegen Blackburn. Und jetzt vier Tore beim FC Chelsea. Auch, wenn Xabi Alonso am heutigen Donnerstag zugibt, aus dem fesselnden 4:4 wenig Positives für das Titelrennen zu finden, war der Auftritt der Reds bei den Blues (ohne Gerrard!) schon aller Ehren wert, das viel zitierte „Wunder“ zum Greifen nahe.
Nach 2:0-Führung einen 2:3-Rückstand hinnehmen zu müssen und sich wieder zurück ins Spiel zu kämpfen, zeigt schon die besondere Willensstärke, die die aktuelle Liverpool-Mannschaft auszeichnet. Zudem zeigt diese Saison: Liverpool scheint mittlerweile erwachsen geworden zu sein. Wenn Gerrard fehlt, ist dies zwar natürlich ein Dämpfer, da der Engländer als Freigeist hinter bzw. neben Fernando Torres unersetzbar ist.
Doch schon in Madrid kam der bald 29-Jährige, weil angeschlagen, erst in den letzten Minuten aufs Feld. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon andere – wie Alonso und Torschütze Yossi Benayoun – für die Entscheidung gesorgt.
Einen Tag vor dem 20. Jahrestag der Katastrophe von Hillsborough, an dem es an der Anfield Road eine berührende Trauerfeier vor 30.000 Menschen gab, bescherten uns Chelsea und Liverpool einen packenden Fußballabend. Geht es nach der CL-Historie, werden es auch die Blues sein, die am 27. Mai den Pokal in den Römer Nachthimmel heben.
Denn seit 2003 gilt: wer jene Mannschaft aus dem Bewerb wirft, die zuvor Real Madrid eliminierte, gewinnt im gleichen Jahr die Champions League.




