„Was ist Taktik? Es ist das Abwägen der eigenen Stärke- und Schwäche-Profile mit jenen des Gegners.“ – Ried-Coach Paul Gludovatz will das Thema „Taktik“ im Standard nicht überbewerten.

In einem Punkt hat FM4-Moderator Martin Blumenau ganz sicher recht. Der Overkill an Berichten im Vorfeld von Spielen des österreichischen Nationalteams ist ermüdend. Langweilig und austauschbar sind zwei Worte, die einem dabei sofort in den Sinn kommen. Oft gilt im Leben ja: weniger ist mehr. Und weniger Berichte über Pressekonferenzen oder „Insider-Berichte“ darüber, wer was gefrühstückt und wann Didi mit Irmi telefoniert hat, ließen den Journalisten ja eigentlich mehr Zeit für andere Dinge, die den Leser überraschen und unterhalten könnten.

Beinahe unabhängig voneinander entwickelte sich – neben Blumenaus Fußball-Journal – an zwei weiteren Stellen eine Diskussion zum gleichen Thema.

In der sportnet.at-Community Du-bist-Dein-Sport.at verfasste ein User folgendes Posting, das sich ungekürzt und unverändert wie folgt liest:

„dumm, dümmer, österr. Medien.
Mittlerweile ist bekannt dass der druck der medien oft viel unheil anrichtet. trotzdem wird völlig populistisch sofort nach 12 min einsatz in der nationalmannschaft mit messi, ronaldo und rooney verglichen. „ka ahnung von taktik“, aber billige effekte sind das rezept unserer journalisten. dabei wäre es wesentlich interessanter, taktik, spielverlauf und spielzüge des spiels zu analysieren. leider fehlt da flächendeckend die kompetenz – also verlegt man sich darauf, die meisten klicks zu bekommen.“

Die Kollegen Hörwertner und Lechner hatten nach dem Kurzauftritt von David Alaba im ÖFB-Dress im Archiv gekramt: welche Spieler debütierten in ähnlich jungen Jahren für ihre Nationalelf? Darunter weniger prominente Namen, aber eben auch Spieler wie die oben genannten.

Kollege Hörwertner antwortete:

„Mein Ansatz von gutem Sportjournalismus: Analysierend, hinterfragend, unterhaltend. Letzteres ist nicht unwichtig. Wir sind nicht in der Politik, es geht nicht um Leben und Tod. Sport ist Unterhaltung und Freizeitbeschäftigung – wir sollten das bei aller gebührenden Ernsthaftigkeit nie vergessen. [...]“

In einem Interview mit Sturm12.at spricht Blumenau über Fußballfans in Europa sowie über österreichische und italienische Anhänger im Speziellen. Seine Meinung: Österreichs Fußballinteressierte erhalten „auf jeden Fall weniger Anleitungen.“

„Der italienische Fan findet jeden Tag in der Gazzetta dello Sport, in Tuttosport oder im Corriere dello Sport deppensichere Anleitungen mit Grafiken, mit taktischen Aufstellungen, Bildchen, mit Tabellen und so weiter“, sagt Blumenau beispielsweise über die italienische Sportpresse.

Nun weiß man nicht, ob Blumenau jene drei Tageszeitungen täglich konsumiert. Die Gazzetta, die ja in Österreich relativ einfach in vielen Trafiken erhältlich ist und die ich mir auch regelmäßig gerne kaufe, mag auch sicher mehr über Taktik, Spielsysteme und sonstiges Datenmaterial bringen als jetzt zum Beispiel der Kurier.

Aber – wie ich auch hier schrieb – der ewige Mythos, dass die ausländischen Zeitungen voller taktischer Analysen stecken, ist tatsächlich ein Mythos, der hierzulande einfach so akzeptiert wird.

Die Ausnahme mögen vielleicht in manchen Fällen Vereins-Magazine sein: Il Romanista, eine Tageszeitung, die über die AS Roma berichtet, schafft es schon mal, die neuesten taktischen Meisterleistungen der Mannschaft rund um Francesco Totti auf zwei großformatigen Seiten darzustellen. Nur: irgendwann hat sich diese Thematik auch erledigt, da es für die breite Masse der Leser einfach ermüdend ist.

Unabhängig davon: Die Voraussetzungen, unter denen ausländische Sportjournalisten arbeiten können, sind durchaus andere als jene zwischen Neusiedler- und Bodensee. Während es etwa in Italien und Spanien zahlreiche Sport-Tageszeitungen gibt, in Deutschland mehrere Wochenzeitungen, begnügt sich Österreich mit zwei überregionalen Wochen-Magazinen und den Sport-„Büchern“ der Tagesmedien, die ein paar Seiten dünn sind.

Zum Vergleich: alleine von den beiden Samstagsspielen der Serie A (Genoa – Inter und Juventus – Fiorentina) berichten für die Gazzetta insgesamt neun(!) Redakteure auf acht Seiten.

Viel Personal, große Ressourcen, viele Menschen, die die mit Info vollbepackten Seiten kaufen. Die Gazzetta erscheint (laut Wikipedia) an Montagen in einer Auflage von über 800.000 (an sonstigen Tagen: etwa 400.000 verkaufte Exemplare), die österreichische SportWoche (laut Styria-Website) mit 68.000 Stück. El Mundo Deportivo, Zentralorgan für die Belange des FC Barcelona, erscheint täglich in einer Auflage von 130.000 Exemplaren.

„Der Sportjournalismus in Österreich ist mangelhaft ausgebildet“, betitelt Sturm12.at Blumenaus Interview. Mag sein. Wer aber nur ein einziges Mal eine Pressekonferenz des italienischen Nationalteams besucht hat, wird merken: die Österreicher sind nicht alleine, sondern in bester Gesellschaft.

Da schwingen Ehrfurcht und hündische Verehrung für die Akteure in den Fragen mit, da gibt´s schon mal Standing Ovations für besonders lieb gewonnene Spieler. Was vor allem eines beweist.

Fußball ist – wie jeder Sport – mit Emotion verbunden. Kein noch so schön ausformulierter Artikel über Taktik, Spielzüge, Pressing, Verschieben oder Raumdeckung kann das vermitteln, worum es im Sport geht: Sieg und Niederlage, Jubel und Trauer. Jeder Blickwinkel, der den Sport in seiner Gesamtheit darstellt (und da zählen taktische Analysen genauso dazu wie Interviews, Porträts, Hintergrundberichte und Gerüchte), ist eine Bereicherung – man beachte nochmals die beiden eingangs erwähnten Postings zu David Alaba.

Das extrem spannende Spiel zwischen Sturm und Rapid vom Sonntag ist der beste Beweis dafür, was Fußball ausmacht. Das kuriose Wasserball-Tor von Sunderland gegen Liverpool beherrscht nicht nur die Schlagzeilen, sondern flächendeckend die britischen Fußball-Communites.

Sport hat noch immer weit mehr zu bieten als Tore, Aufstellungen, Meter und Sekunden. Oder wollen Sie am Tag nach dem WM-Finale die Zeitung aufschlagen und nur auf zwei Taktiktafeln starren?

Die Diskussion zum Thema gibt´s hier >>

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Worüber in diesen Tagen berichtet wird. Eine sehr subjektive Auswahl mit manch subjektiver Anmerkung.

Europa League: Christian Nehiba soll das Auftaktspiel von Rapid gegen den Hamburger SV auf Sat.1 Österreich kommentieren. Der Privatsender Puls4 sorgte zuletzt für Aufregung unter den Fußballfans, weil man zunächst ankündigte, pro Spieltag eine Partie der Europa League zu zeigen, dies nun aber doch nicht tut. „Wir denken als Gruppe“, wird Michael Stix von ProSiebenSat.1 zitiert. Gemeint ist die Sendergruppe. Am zweiten Spieltag soll auf Puls4 das Auswärtsspiel von Rapid bei Celtic Glasgow übertragen werden. (Österreich, sportnet.at)

tipp3-Bundesliga: Der SK Sturm empfängt am Samstag LASK Linz. Mit den Oberösterreichern kommt Ex-Sturm-Kicker Roman Wallner an die Mur. Auf Sturm12.at gibt´s ein formidables Interview mit dem sportnet.at-Kolumnisten. Die Partie der Grazer gegen die Linzer wird dort natürlich auch getickert. (Sturm12.at)

Peter Pacult freut sich nicht nur auf die Europa League, sondern auch darüber, dass er bei den Rapid-Fans einen höheren Stellenwert genießt, als größtenteils angenommen wird. Über ein Fanklubtreffen erzählt PP: „Da ist einer aufgestanden und hat gemeint: Wir sind stolz, dass sie bei uns sind. Darauf gab´s spontanen Applaus im ganzen Saal. Und ich muss zugeben, das ist bei mir runtergegangen wie Öl.“ (sportnet.at)

Regionalliga West (Deutschland): Die Gewerkschaft der Polizei äußert heftige Kritik am SV Waldhof. Die „gewaltbereite Ultras-Szene“ bekomme vom Verein im Carl-Benz-Stadion „einen eigenen Bastelraum“ zur Verfügung gestellt. Das ist natürlich ein untragbarer Skandal. Vermutlich bastelt man dort an Atombomben. (Mannheimer Morgen)

England: In England plant man, das „National Football Museum“ von Preston nach Manchester zu verlegen. Das hat zum größten Teil wohl finanzielle Gründe, wie vieles im britischen Fußball. Bobby Charlton, seines Zeichens Legende von Manchester United, plädiert weiterhin für den Standort Preston. Preston North End war immerhin Gründungsmitglied der Football League im Jahr 1888. (Any Given Weekend)

Video der Woche: Fernando Torres Season Review 08/09 – Schöne Tore eines schönen Menschen

Nach den Jubiläumsspielen gegen Schalke 04 und Liverpool FC überlegt man bei Rapid, sich ab sofort jedes Jahr mit einem prominenten Gegner selbst zu beschenken. Ein Umstand, der von Fans kontrovers diskutiert wird. In Graz hofft man wohl, dass nicht erneut ein Bundesliga-Spiel verschoben wird.

Knapp 50.000 Fans sahen das Spiel zwischen Rapid und Liverpool sehen, 17.500 verfolgten die Partie der Grün-Weißen gegen Schalke. Dazwischen kamen wenigstens 13.500 Menschen zum Hinspiel in der Europa League gegen Schkodra.

Rapid ist dieser Tage omnipräsent. Der ORF zeigte beide Jubiläumsspiele live im TV. Tags darauf brachte Radio Wien zur Mittagszeit eine Sondersendung über den aktuellen Vizemeister. Einen Tag später erklärte Klub-Präsident Rudolf Edlinger, er könne sich vorstellen, ab sofort jedes Jahr eine Top-Mannschaft nach Wien einzuladen.

Gefeiert wurde wie in der Champions League

Kein Wunder, immerhin soll Rapid dank Schalkes und Liverpools Hilfe rund 600.000 Euro eingenommen haben. Im Rahmen der Testspiele wurde eifrigst die Werbetrommel für Dressen und die anstehenden Heim- und Auswärtsspiele gerührt. Schals und Leiberln gingen weg wie die warmen Semmeln. Nach dem 1:0 gegen Liverpool wurden die Rapid-Spieler gefeiert, als hätte Grün-Weiß soeben die Champions League gewonnen. Die Bilder wurden – dem FC Liverpool sei Dank, dem klarerweise das internationale Interesse galt – live in 25 Länder übertragen. Für Rapid ein kaum zu bezahlender Werbeeffekt.

In Online-Foren wie Du-bist-Dein-Sport.at, rapidfans.at und anderen regt sich allerdings Unmut über die Ideen von Edlinger. Nicht nur bei Anhängern anderer Klubs, denen der Party-Marathon anlässlich des 110. Jubiläums ohnehin ein Dorn im Auge ist, sondern auch bei jenen, die dem grün-weißen Lager zuzuordnen sind. Man solle es nicht übertreiben, da die letzten Wochen die Geldbörse ohnehin schon genug strapaziert hätten, ist eine Meinung von vielen.

Kommerz hin oder her – die Kasse stimmt!

Wo der im Fußball viel zitierte Kommerz beginnt und Rapid – das sich in den letzten Jahren stets als letzte Bastion im Kampf gegen die finanzielle Übermacht anderer Vereine positioniert hat – dieses Spiel mitmacht, daran scheiden sich die Geister. Die Hütteldorfer scheinen jedenfalls an Tests mit prominenten Gegnern Gefallen gefunden zu haben. Wohl auch, weil diese auf einen Schlag mehr Geld einbringen als zehn Vorbereitungsspiele gegen Landesligisten.

Klubs wie Manchester United und Chelsea, von denen Edlinger für 2010 träumt, haben Spiele in der Vorbereitung längst als lukrative Einnahmequelle erkannt. Liverpool kam wohl nicht nach Wien, weil ihnen die Stadt so gut gefällt, sondern weil die Kasse stimmt. Von der Asien-Tour, die unmittelbar nach Schlusspfiff im Prater startete, ganz zu schweigen.

„Feuerwehrfest“ in Graz

Was Rapid derzeit fast bis zum Exzess betreibt, wünscht man sich bei Sturm Graz zumindest ansatzweise. Die Grazer feiern heuer ihren 100. Geburtstag, hatten Werder Bremen zu Gast, drapierten rund um das Spiel Miss-Wahlen, Bieranstich und andere Lustbarkeiten. Dies sei am ehesten mit einem Feuerwehrfest zu vergleichen, schrieb der Fan-Blog Sturm12.at.

In der steirischen Hauptstadt blickte man zum Bundesliga-Auftakt durch die Finger. Das erste Spiel der neuen Saison hätte den Grazern ausgerechnet Rapid Wien beschert. Die Rapidler spielten aber lieber gegen Liverpool – koste es, was es wolle. „Ich hab klipp und klar gesagt: Wenn ihr uns den Termin nicht genehmigt, treten wir gegen Sturm nicht an! Dann wäre das Match eben mit 0:3 gewertet worden und wir hätten trotzdem gegen Liverpool gespielt“, wird Rudolf Edlinger in der SportWoche zitiert. Geht´s noch?

Kritische Betrachtungen unerwünscht?

Man lenkte ein, das Spiel gegen Sturm wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Nicht ganz so flexibel, aber genauso herrlich provinziell, zeigten sich die Vereine an einer anderen Front. Sturm12.at wurde als so genannte „Klub-Homepage“ der Bundesliga-Ausweis – eine Dauerakkreditierung, mit der der Zutritt in jedes Stadion möglich ist – per Manager-Beschluss verwehrt.

Dass Sturm12.at ja auch die Gegner der Blackys beleuchtet und über die Geschehnisse in der Liga kritischer berichtet als so manches Tagesmedium, scheint egal zu sein. Oder nicht erwünscht?

Der Beste soll gewinnen, sagt man. Nur leider gilt das für die heurige Champions League nicht. Denn mit dem FC Liverpool verabschiedete sich am Dienstag die wohl stärkste Mannschaft der laufenden Saison aus dem Bewerb.

Barcelona und Lionel Messi in allen Ehren – aber der Gegner der Katalanen im Viertelfinale hieß letztlich doch nur Bayern München. Und wo dieser Verein mittlerweile international steht, wurde beim 0:4 in Camp Nou mehr als deutlich.

Liverpool in der Champions League – das ist Leidenschaft pur, aber mit der nötigen Ruhe zum richtigen Zeitpunkt. Das Auswärtsspiel bei Real Madrid im Achtelfinale war ein Lehrbeispiel, wie man einen Gegner seiner Stärken beraubt, um dann selbst zuzuschlagen. Was eine Woche darauf folgte, war das wohl beste Spiel dieser Saison. Es fällt schwer, sich daran zu erinnern, ob Real Madrid schon einmal derartig vorgeführt wurde wie beim 4:0 an der Anfield Road.

Was Liverpool neben dem magischen Dreieck Gerrard-Alonso-Torres noch auszeichnet, sind Moral und Selbstvertrauen. Bayern hatte sich nach dem 0:4 bei Barcelona aufgegeben, in der Öffentlichkeit nur mehr von der Meisterschaft als einzig verbliebenem Saisonziel gesprochen.

Liverpool fuhr nach der 1:3-Heimniederlage gegen Chelsea mit breiter Brust nach London. Das Motto: wenn die uns drei Tore in unserem Stadion machen, können wir das bei denen auch. Eigentlich logisch, denn nach unzähligen Unentschieden in der Premier League (zehn an der Zahl in der laufenden Saison) haben sich die Reds in den letzten Wochen zu einer wahren Tormaschine gemausert.

„Logically, we should have more time to rest now but sometimes you prefer to keep playing games. It can help you to keep playing. We are not happy because we are out of the Champions League.“ – Xabi Alonso

4:0 gegen Real Madrid, 4:1 gegen Manchester United, 5:0 gegen Aston Villa, 4:0 gegen Blackburn. Und jetzt vier Tore beim FC Chelsea. Auch, wenn Xabi Alonso am heutigen Donnerstag zugibt, aus dem fesselnden 4:4 wenig Positives für das Titelrennen zu finden, war der Auftritt der Reds bei den Blues (ohne Gerrard!) schon aller Ehren wert, das viel zitierte „Wunder“ zum Greifen nahe.

Nach 2:0-Führung einen 2:3-Rückstand hinnehmen zu müssen und sich wieder zurück ins Spiel zu kämpfen, zeigt schon die besondere Willensstärke, die die aktuelle Liverpool-Mannschaft auszeichnet. Zudem zeigt diese Saison: Liverpool scheint mittlerweile erwachsen geworden zu sein. Wenn Gerrard fehlt, ist dies zwar natürlich ein Dämpfer, da der Engländer als Freigeist hinter bzw. neben Fernando Torres unersetzbar ist.

Doch schon in Madrid kam der bald 29-Jährige, weil angeschlagen, erst in den letzten Minuten aufs Feld. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon andere – wie Alonso und Torschütze Yossi Benayoun – für die Entscheidung gesorgt.

Einen Tag vor dem 20. Jahrestag der Katastrophe von Hillsborough, an dem es an der Anfield Road eine berührende Trauerfeier vor 30.000 Menschen gab, bescherten uns Chelsea und Liverpool einen packenden Fußballabend. Geht es nach der CL-Historie, werden es auch die Blues sein, die am 27. Mai den Pokal in den Römer Nachthimmel heben.

Denn seit 2003 gilt: wer jene Mannschaft aus dem Bewerb wirft, die zuvor Real Madrid eliminierte, gewinnt im gleichen Jahr die Champions League.

Hohe Fußballkunst in der Champions League. Worauf man am Dienstag vergeblich wartete, gabs am Mittwoch gleich in doppelter Ausfertigung.

Die Demontage des FC Bayern in Barcelona zeigte einmal mehr, wie weit der größte und einflussreichste Klub Deutschlands der internationalen Konkurrenz hinterher hinkt.

Vor nur wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass die Münchner auf höchster, europäischer Ebene dermaßen vorgeführt werden. Dass Karl-Heinz Rummenigges Brandrede eine ähnliche Wirkung wie jene von Franz Beckenbauer anno 2001 hat – die Bayern wurden damals CL-Sieger – darf gründlich bezweifelt werden.

Noch unterhaltsamer als das 4:0 von Barcelona war das 1:3 von Anfield. Dort gab es nämlich zwei Mannschaften, die munter drauflos spielten – für den neutralen Beobachter sensationell, für Fans der Klubs ein Wechselbad der Gefühle.

Ein idealer Start für den FC Liverpool mündete in die kaum für möglich gehaltene Katastrophe. Nach dem frühen, sehenswerten 1:0 durch Fernando Torres siegte Chelsea am Ende sage und schreibe 3:1.

Es war schon interessant zu beobachten, dass ausgerechnet jene Klubs, die defensiv in dieser Saison bisher nichts anbrennen ließen, nun plötzlich genau dort arge Probleme haben. Schlag nach bei Manchester United, deren Verteidigung seit Wochen einem aufgescheuchten Hühnerhaufen gleicht. Und schlag nach bei Liverpool, wo die Defensive am Mittwoch bei keinem der drei Treffer gut aussah.

Branislav Ivanovic wird sich heute noch wundern, wie einfach er zwei Mal nach Eckbällen zum Kopfball kam. Vom 1:2-Rückstand sichtlich geschockt, kassiert Liverpool dann auch noch das dritte Gegentor. Ein schnurgerader Pass von Michael Ballack auf Florent Malouda, dessen scharfen Stanglpass Didier Drogba nur mehr über die Linie drücken muss – schnörkelloser kann man eine Abwehr nicht aufreißen.

Es waren aber nicht nur Abwehrfehler allein, die die Niederlage von Liverpool einläuteten. Chelsea tat das konsequent, was Manchester einige Wochen zuvor bei der 1:4-Heimniederlage gegen die Reds verabsäumte – nämlich Steven Gerrard komplett aus dem Spiel nehmen.

Der Liverpool-Kapitän war bei Michael Essien gut aufgehoben, plagte sich zudem mit Leistenbeschwerden und anderen Wehwehchen herum – und hätte eigentlich, um nichts zu riskieren, vorzeitig vom Platz gehen müssen.

Nun steckt Rafael Benitez in der Zwickmühle. Lässt er Gerrard am Samstag gegen Blackburn draußen, um ihn für das Rückspiel gegen Chelsea am Dienstag zu schonen?

Oder setzt der Spanier alles auf die Karte „Meisterschaft“, bringt Gerrard am Samstag in der Liga – und riskiert damit möglicherweise einen längeren Ausfalls seines Kapitäns?

Beide Varianten werden derzeit von englischen Medien ins Spiel gebracht. Spätestens Samstagmittag wissen wir mehr.

Interessantes Detail am Rande:

Seit 2003 holte jede Mannschaft, die jenes Team aus dem Bewerb warf, das zuvor Real Madrid eliminierte, am Ende den Pokal in der Champions League. Letztes Jahr war es Manchester United. Die Red Devils hatten im Viertelfinale AS Roma ausgeschaltet, die zuvor die Königlichen rausgekickt hatten.

Vor wenigen Wochen schaltete Chelseas Gegner aus Liverpool Casillas, Raul & Co aus. Kein Wunder, dass man bei den Blues schon ein bisschen vom Treble träumt – denn auch in der Meisterschaft und im FA-Cup ist Chelsea ganz vorne dabei.